Neujahrsrede 2008 der Bürgermeisters der Stadt Langen

Rede von Herrn Bürgermeister Thorsten Krüger anlässlich des Neujahrsempfangs der Stadt Langen am 15.01.2008

Sehr verehrte Gäste, liebe Freunde,

ich begrüße Sie herzlich im Namen der Stadt Langen zu unserem zweiten Neujahrsempfang und wünsche Ihnen ein gutes und hoffentlich erfolgreiches und glückliches neues Jahr 2008 mit Gesundheit und Zufriedenheit im privaten wie im beruflichen Bereich.

Ein herzliches Dankeschön zunächst an den „Chor nach 8“, der uns so stimmungsvoll mit seinen Liedern auf den heutigen Abend eingestimmt hat. Der Chor wird im Anschluss nochmals zu hören sein.

Es werden sich wahrscheinlich einige gewundert haben, warum unser Neujahrsempfang hier bei der Firma Harrje & Wehrmann stattfindet. Wir haben uns für diesen Ort wegen der anstehenden Umbau- und Renovierungsarbeiten im Lindenhof-Zentrum und um unsere Nähe zu unseren Gewerbetreibenden zu demonstrieren, entschieden.
An dieser Stelle ein großer Dank an die Firma Harrje & Wehrmann, die uns ihren Ausstellungsraum für diesen Abend zur Verfügung gestellt haben.

Meine Damen und Herren,

wenn ich im Anschluss einige Gäste namentlich begrüße, so bitte ich alle nicht erwähnten um Nachsicht. Seien Sie versichert, Sie sind mir alle gleichermaßen herzlich willkommen.
Ich begrüße:

für den Bremer Senat, Herrn Senator Ralf Nagel und die anwesenden Bürgerschaftsabgeordneten

für die Stadt Bremerhaven, Herrn Oberbürgermeister Jörg Schulz und Herrn Stadtverordnetenvorsteher Artur Beneken sowie die Stadträte und anwesenden Stadtverordneten

für das Land Niedersachsen begrüße ich alle Vertreter, möchte aber aufgrund der anstehenden Landtagswahl keinen namentlich begrüßen, nicht das ich einen vergesse und dann die Diskussionen losgehen.

für den Landkreis Cuxhaven begrüße ich den ersten Kreisrat, Herrn Günter Jochimsen und die anwesenden Vertreter aus dem Kreistag und den Kommunen.

Natürlich auch meine Bürgermeisterkollegen aus dem Landkreis.

für die Stadt Langen die stellvertretenden Bürgermeister Herrn Peters und Herrn Lüdemann, sowie die Rats- und Ortsratsmitglieder
sowie alle Gäste aus Handel, Handwerk, Dienstleistung,
und Wirtschaft und die Vertreter der Banken und Sparkassen ,
der Gewerkschaften, der Vereine und Verbände, der Medien, der Initiativen, der Kammern, der Medizin, der Behörden und der Kirchen
und die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Langen.

Und zuletzt den Jugendratsvorsitzenden der Stadt Langen, Tyrone Smith.

Es freut mich, dass Sie so zahlreich der Einladung gefolgt sind. Denn das zeigt Ihre Verbundenheit und Ihr Interesse an der Stadt Langen.
Auf Neujahrsempfängen wird traditionsgemäß auf Vergangenes zurückgeblickt und auf das Kommende ein Ausblick gewagt. Ich möchte mit meiner Redezeit Ihre Aufmerksamkeit allerdings nicht überstrapazieren. Letztlich soll diese Veranstaltung auch besonders dazu dienen, Ihnen die Gelegenheit für gute und interessante Gespräche zu bieten.

Daher haben wir auch, wie 2007, das „Langener Stadtblatt“ herausgegeben. Ich verweise deshalb auf den im Eingangsbereich ausgelegten Jahresrückblick und bitte Sie, entsprechend Ihrem Informationsbedürfnis die wichtigsten Fakten, Daten und Berichte dort nachzulesen.

Aber ich möchte dennoch ein paar Worte zum vergangenen Jahr sagen:
Das Jahr 2007 war für unsere Stadt ein gutes und erfolgreiches Jahr und wir können stolz darauf sein, was wir geschafft haben. Unsere Stadt weiterhin zukunftsfähig zu machen und die erreichte Lebensqualität zu bewahren, ja möglichst zu steigern – das war und ist unser Ziel.

„Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche und plötzlich schaffst du das Unmögliche.“

So zuversichtlich war einst der italienische Ordensstifter Franz von Assisi. Auch wir, meine sehr geehrten Damen und Herren, gehen mit einer solchen Zuversicht daran, in Langen etwas zu bewegen und zu bewirken.
Ich denke in diesem Zusammenhang immer an das berühmte Beispiel halb volles Glas, so die Optimisten und halb leeres Glas, so die Pessimisten.
Betrachten wir dies doch einmal so: In einem halb gefüllten Glas und auch in einem halb leeren Glas ist viel Raum für Entwicklung und Bewegung.

Was die Kommunen heutzutage zu leisten haben, grenzt schon fast an das Unmögliche. Es wird immer verzwickter, angesichts stetig wachsender Aufgaben und Ausgaben einen nicht nur ordnungsgemäßen, sondern auch zukunftsweisenden Haushalt aufzustellen. Aber das ist nur die eine Seite des kommunalen Alltags.

Die andere spricht von Lichtblicken:

Neue Marktlücken und –chancen tun sich auf, viele Bürgerinnen und Bürger Langens engagieren sich auf die eine oder andere Weise für unsere Stadt. Zu ihnen gehören die vielen freiwilligen Tätigen, die Ehrenamtler, zu ihnen gehören Unternehmer, denen ihr Standort etwas wert ist, zu ihnen gehören die Mitglieder von Vereinen und Organisationen sowie karitativen verbänden und Einrichtungen.

Sie alle tun das, was sie für notwendig halten und was ihnen möglich ist und bringen damit unsere Stadt Langen weiter. Sie tragen zur Lebensqualität in unserer Stadt bei und legen den Grundstein für unsere Zukunft, sie geben Hoffnung, dass wir mit vereinten Kräften auch an das Unmögliche herankommen. Bürgerengagement macht unsere Stadt attraktiver, freundlicher und stärker.

Mein Dank gilt deshalb allen, die sich in unserer Stadt und für unsere Stadt engagieren: in Rat und Verwaltung, in Handel und Handwerk, in Gewerkschaften und Verbänden, in den Kirchen, in den Parteien, in den Sportvereinen und in allen anderen Vereinen, Institutionen, Initiativen und Vereinigungen.

Sie alle leisten einen wichtigen Beitrag für unsere Stadt, die lebendig ist und wo man gerne lebt. Unterstützen Sie uns auch weiterhin.
Die Stadt Langen ist heute mit ihren Bürgern, ihren Einrichtungen, ihren Organen und ihrer Wirtschaft ein starker Partner in der Region und wir stehen zu dieser Region!

Wir werden jeden Weg nutzen, um für unsere Stadt eine zukunftsfähige Entwicklung zu gestalten, auch Wege die nicht jeder zu gehen vermag oder zu verstehen vermag. Ziel ist immer die Weiterentwicklung unserer Stadt und unserer Region.
Einen anderen Schwerpunkt unserer Arbeit hier in Langen kann man mit dem Stichwort „Familienfreundlichkeit“ umschreiben. Mir persönlich ist viel daran gelegen, unserem Nachwuchs etwas zu bieten und die Stadt Langen für junge Familien, Alleinerziehende, Großeltern und Betriebe attraktiv zu machen.

Wir wollen die Eltern und Betriebe dabei unterstützen, Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können und den Kindern ein unbeschwertes Heranwachsen mit guten Zukunftschancen zu ermöglichen.

Wir wollen und müssen junge Menschen an unsere Stadt binden, denn wir brauchen Bürgerinnen und Bürger mit Ideen, Schwung und Unternehmensgeist. Angesichts des demographischen Wandels brauchen wir Menschen, die mit uns gemeinsam die Zukunft gestalten.

Darum müssen wir in Langen gute Antworten haben, wenn uns junge Menschen und Unternehmen nach Einrichtungen für Kinder fragen, nach der Zahl und der Ausstattung unserer Kindergärten, -krippen, Schulen oder weiterer Infrastruktur.
Denn wir müssen uns klar darüber sein, Familienfreundlichkeit ist heute in jeder Hinsicht ein äußerst wichtiger Standortfaktor. Und dabei wollen wir auch weiterhin eine gute Rolle spielen.

Und damit zu einem anderen Schlagwort dieser Zeit: Demographie
Wir in Langen diskutieren nicht über Demographie, wir versuchen, sie zu gestalten!

Ein Thema, was in der Stadt Langen auch von großer Bedeutung ist, ist die Bekämpfung von Kinderarmut.

Immer mehr Kinder, bei denen die Eltern arbeitslos sind, wachsen unter schweren Bedingungen auf, leben unter der Armutsgrenze.
Diese Kinder und deren Eltern dürfen nicht im Stich gelassen oder gar ausgegrenzt werden. Denn nur wer sich mitgenommen fühlt, wird sich auch in die Gesellschaft einbringen. Armut von Kindern ist vor allem deshalb so fatal, weil die Folgen für sie gravierend sind und sie sich nicht selbstständig aus der Armut befreien können. Materielle Armut geht bei Kindern mit erheblichen Beeinträchtigungen ihrer Entwicklung einher, etwa in der körperlichen Entwicklung oder bei der Entwicklung sprachlicher, kultureller und sozialer Kompetenzen.

Damit komme ich ohne Umschweife zu einem ebenso wichtigen Thema:
Wer Illustrierte oder Zeitungen durchblättert, könnte auf die Idee kommen, der Reichtum der Gesellschaft sei zwischen den Generationen einseitig verteilt. Vor allem die Bilder erwecken diesen Eindruck: In den redaktionellen Teilen sind traurig dreinblickende Kinder vor leeren Tellern oder in schäbigen Wohnungen zu sehen. Auf den Anzeigenseiten hingegen strahlen fröhliche Rentner.

Arme Junge, wohlhabende Alte – diese Sicht könnte man daraus entwickeln. Die Marketingabteilungen der Konsumgüterhersteller haben die Generation der über 50-Jährigen als kaufkräftige Zielgruppe entdeckt und mit so seltsamen Etiketten wie »Best Agers«, »Silver Surfer«, »Whoopies« (well off old people) oder gar »Kukidents« bedacht.

Die Politik wiederum hat sich den Problemen verwahrloster Kinder aus bildungsfernen Familien zugewendet. Deren Chancenlosigkeit gilt vielen als das größte sozialpolitische Problem der Gegenwart.
Für den Moment ist diese Sicht nicht falsch. Noch geht es vielen Älteren gut. Aber es gibt auch schon jetzt ältere Menschen, die in Armut leben und die sich schämen, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Und die Zukunftsprognosen sehen schlecht aus: Die Menschen haben oft mehrfach unterbrochene Erwerbsbiografien. Nicht einmal jeder zweite Deutsche zahlt gegenwärtig überhaupt noch in die Sozialsysteme ein. Gleichzeitig haben die vergangenen Rentenreformen die Ansprüche künftiger Rentner erheblich reduziert.
Waren bisher vor allem nicht erwerbstätige Mütter die Verlierer der Rentenpolitik, so werden dies in Zukunft Geringverdiener, Arbeitslose und vor allem viele Selbstständige sein. Für sie gibt es wenig Grund, über die »Rente ab 67« zu jammern, viele von ihnen werden im Alter so lange weiterarbeiten müssen, wie es geht, manchmal bis zum Tod.
Wir werden versuchen, auch bei diesen schwerwiegenden Themen Kinderarmut und Altersarmut, soweit es möglich ist, zu helfen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir haben in vielen Bereichen schon einiges erreicht und vieles getan, aber es steht auch noch vieles vor uns, was umgesetzt werden muss.
Gemeinsam, auch wenn Vereinzelte das noch nicht gemerkt haben, schafft man mehr. Es geht dabei um das Wohl der Stadt und nicht um einen kurzzeitigen Gewinn.
Die Stadt Langen wird weit über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen, wenn auch teilweise mit geteilten Meinungen. Ich sage hier in diesem Zusammenhang: Nordumgehung!

An dieser Stelle möchte ich meine Verwunderung äußern.
Einige haben das noch nicht mitbekommen: Die Stadt Langen ist eine eigenständige Gebietskörperschaft und es ist erschreckend, das Vereinzelte aus der Region meinen, Sie können vorgeben, was in der Stadt Langen zu geschehen hat.
Die Stadt Langen ist ein gleichwertiger Partner in der Region und kein Junior-Partner. Wir sind uns selbstverständlich bewusst, dass Gemeinsamkeit erforderlich ist, haben aber auch unsere eigenen Überlegungen.

So, jetzt wünsche ich Ihnen allen nochmals ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2008. Persönlich wünsche ich mir weiterhin die Abkehr von der typischen deutschen Bedenkenträgerei, mit der so gute Ideen klein und kaputt geredet werden. Ich bin ja noch guter Hoffnung, dass sich dieses irgendwann ändert. Ich würde mich freuen, wenn wir mehr handeln wie reden.
Lassen Sie mich noch einen letzten und sehr entscheidenden Dank aussprechen: Und zwar an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Langen, denn dieses Team hat einen erheblichen Anteil an der bisherigen positiven und erfolgreichen Entwicklung.
Mit folgendem Zitat von Henry Ford komme ich nun zum Schluss:

„Zusammenkommen ist ein Beginn.

Zusammenbleiben ist ein Fortschritt

Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“

In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend. Nutzen Sie die Gelegenheit, in ungezwungener Atmosphäre Gedanken auszutauschen und lockere Gespräche zu führen.
Wir hören jetzt noch einmal den „Chor nach 8“.